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2019

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10.09.2019

Zukunftsdiskurse: „Vertrauen in der Wirtschaft – unersetzlich, aber verletzlich“

Zur Abschlussveranstaltung im Projekt „Zukunftsdiskurse“ hatte das Institut für Ökonomische Bildung (IÖB) am 05. September 2019 interessierte Bürgerinnen und Bürger in den Alten Landtag in Oldenburg eingeladen. Der Titel „Vertrauen in der Wirtschaft – unersetzlich, aber verletzlich“ lockte rund 150 Gäste in den ehemaligen Plenarsaal.

„Ohne Vertrauen ist wirtschaftliches Handeln nicht vorstellbar“, erklärte Prof. Dr. Dirk Loerwald, wissenschaftlicher Leiter des IÖB, in einer kurzen Einführung. Anhand von anschaulichen Beispielen zeigte er, welche besondere Bedeutung Vertrauen für das menschliche Zusammenleben im Allgemeinen hat, um anschließend den zentralen Stellenwert von Vertrauen in der Wirtschaft zu verdeutlichen.

Im Anschluss vertiefte Herr Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, in einem halbstündigen Vortrag das Rahmenthema am Beispiel Vertrauen und Geld. Balz erläuterte, dass Vertrauen die Grundvoraussetzung dafür sei, damit Geld in einer Gesellschaft als Tauschmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsinstrument überhaupt Verwendung findet. Eine wesentliche Grundlage für Vertrauen sieht Balz insbesondere in der Preisstabilität, auf deren Sicherung die Zentralbanken, wie beispielsweise im Euroraum, ihren Fokus richten. In diesem Zusammenhang hob er hervor, dass die politische Unabhängigkeit der Zentralbanken eine „große Errungenschaft“ darstelle. Für Vertrauen in das Geldsystem sei zudem die Wissensvermittlung im Bereich ökonomische Bildung notwendig, um über veränderte Rahmenbedingungen und neuere Entwicklungen wie Kryptowährungen aufzuklären.

Es folgte eine von Dr. Michael Koch, stellvertretender wissenschaftlicher Leiter des IÖB, moderierte Podiumsdiskussion, in der Nico Steudel, Geschäftsführer des Oldenburger Unternehmens Rhein-Umschlag, schilderte, dass in seiner Branche viele Geschäfte noch per Handlungsschlag getätigt werden und beispielsweise Geschäftspartner im Baustoffhandel untereinander auf das gegebene Wort vertrauen. Über die Bedeutung von Vertrauen im Bereich der Ernährung berichtete Prof. Dr. Eberhard Haunhorst, Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherung (LAVES). Um Vertrauen zu schaffen, gebe es häufig den nachvollziehbaren Wunsch nach mehr Kontrolle, manchmal herrsche aber auch geradezu eine „Regulierungswut“, vor allem wenn sich die Politik aufgrund eines Skandals zum Handeln gezwungen sehe und öffentlicher Druck entstanden sei. Er plädierte stattdessen für „intelligente Kontrollen“ im Lebensmittelbereich, um hier die Balance zu halten. Steudel verwies in seiner Rolle als Unternehmer in diesem Zusammenhang auf langwierige Genehmigungsverfahren, machte gleichzeitig aber auch klar, dass es eine Notwendigkeit grundsätzlicher Regeln gebe. „Vertrauen ist der Kitt der Gesellschaft“, stellte der niedersächsische Landtagsabgeordnete Ulf Prange (SPD) daraufhin fest und betonte gleichzeitig, dass der Interessenausgleich eine wichtige Aufgabe der Politik sei. Einfache Lösungen gebe es aber aufgrund der zunehmend komplexen Herausforderungen heute nicht mehr, auch wenn dies aktuell in Teilen von Politik und Gesellschaft manchmal suggeriert werde. Auch das Publikum brachte sich mit zahlreichen Fragen an die Experten rege in die Diskussion ein.

Prof. Dr. Dirk Loerwald fasste die Ergebnisse der Diskussion abschließend noch einmal kurz zusammen und lud die Gäste der Veranstaltung ein, beim Get-together mit Snacks und Getränken das Thema Vertrauen weiter zu vertiefen.

Das Video zur Veranstaltung finden Sie hier.

1. Foto v. l.: Prof. Dr. Dirk Loerwald (IÖB), Burkard Balz (Deutsche Bundesbank), Prof. Dr. Eberhard Haunhorst (LAVES), Ulf Prange MdL (SPD), Nico Steudel (Rhein-Umschlag), Dr. Michael Koch (IÖB)

Fotos: Martin Remmers

06.09.2019

Schülerwettbewerb econo=me gestartet

Der bundesweite Schülerwettbewerb econo=me geht in die nächste Runde. Von nun an haben Schülergruppen ab Jahrgangsstufe 7 aller Schulformen wieder die Möglichkeit, sich anzumelden. Das Thema in diesem Jahr lautet „Warum brauchen wir Unternehmen?“ und differenziert in der Aufgabenstellung zwischen den Sekundarstufen I und II. Die Schüler*innen erstellen in Arbeitsgruppen Beiträge zu den verschiedenen Aufgabenstellungen, wobei der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind: Sie können alle denkbaren Medienformen online einreichen – von Videos über Podcasts, Comics, Zeitungsartikel bis hin zu Webseiten. Ausgerichtet wird der Wettbewerb von und mit der Flossbach von Storch Stiftung, das Institut für Ökonomische Bildung (IÖB) fungiert erneut als Didaktikpartner.

Zur Unterstützung bei der Erarbeitung der Wettbewerbsbeiträge erhält jede Lehrkraft u. a. das Handelsblatt gedruckt oder in digitaler Form als Klassensatz, einen kostenfreien Jahreszugang zum wigy-Onlinepool sowie eine Ausgabe der Zeitschrift „Position“ – das Magazin von Flossbach von Storch. Den Schüler*innen stehen online verschiedene Angebote sowie ein Materialpaket zur Bearbeitung ihrer Aufgabenstellung zur Verfügung. Als Preise winken den Gewinnergruppen iPads, Apple Airpods mit Ladecase und Sofortbildkameras Fujifilm Instax Mini 9 sowie für die Klasse/den Kurs der Gewinnerteams verschiedene attraktive Tagesausflüge. Erneut hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Schirmherrschaft übernommen.

Die Anmeldung ist ab sofort möglich. Die Beiträge sind bis zum 28. Februar 2020 einzureichen, die Preisverleihung findet am 18. Juni 2020 in Köln statt.

Weitere Informationen und Teilnahmebedingungen sind zu finden unter: www.econo-me.de

06.09.2019

Erste Fortbildung in Amman: Entrepreneurship im schulischen Alltag Jordaniens

In der letzten Sommerwoche reisten die Mitarbeiter*innen der internationalen Abteilung des Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) nach Jordanien. Im Rahmen des deutsch-jordanischen Projekts Entrepreneurship im schulischen Alltag Jordaniens fand in Amman die erste Fortbildung zum Thema Entrepreneurship Education statt.

Der Einladung des IÖB und des Goethe-Instituts Jordanien folgten 30 Teilnehmer*innen, darunter zahlreiche Lehrkräfte aus den Schulen Ammans, Mitarbeiter*innen der Queen Rania Teacher Academy sowie Vertreter von INJAZ, einer der wichtigsten Organisationen im Bereich Entrepreneurship Education in Jordanien. In einer 7-tägigen Veranstaltung diskutierten Experten aus Deutschland mit ihren jordanischen Kolleg*innen über das moderne Verständnis von Lehr-Lernprozessen, stellten aktive Lehr-Lernverfahren, die insbesondere in der ökonomischen Bildung und im Entrepreneurship Education sehr breite Anwendung finden, vor und präsentierten die ersten Unterrichtsmaterialien für den Einsatz im Unterricht.

Neben den Vorlesungen und Workshops fanden Gespräche mit Vertreter*innen von Institutionen statt, die für die Ausgestaltung des Bildungsangebotes in Jordanien sowie für die Vorbereitung von Lehrkräften für das Land maßgeblich verantwortlich sind. Zu erwähnen ist diesbezüglich insbesondere die Queen Rania Teacher Academy (QRTA), die landesweit einzige Einrichtung, die Lehrkräften notwendige Fort- und Weiterbildungen anbieten. Ebenfalls zu den Aufgaben der QRTA gehört der Aufbau eines modernen Systems für die Lehrkräfteausbildung, welches sich momentan in der Entwicklung befindet.

Exotische arabische Küche und kurze Einblicke in die Kultur des Landes, seine Geografie und Geschichte waren eine Belohnung für eine sehr intensive Arbeitswoche. Auch der Termin für die nächste Fortbildung steht bereits fest. Die Teilnehmer*innen der ersten Fortbildung freuen sich schon jetzt auf die Fortsetzung.  

30.08.2019

1x1 der Wirtschaft zur Kommerzialisierung im Sport

Bei herrlichem Sonnenschein begrüßten Professor Dirk Loerwald, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des IÖB, und Jacqueline Kleemann, Geschäftsführerin des wigy e. V., die rund 130 Gäste zur diesjährigen Gartenvorlesung unter dem Titel „Schneller, höher, reicher – Wahrer Sportgeist vs. Sport als Ware?“. Bereits zum 18. Mal organisierte das Institut für Ökonomische Bildung gemeinsam mit dem wigy e. V. und in Kooperation mit der Nordwest-Zeitung die beliebte Veranstaltung im Institutsgarten.

Anders als in den letzten Jahren gab es in diesem Jahr keinen Fachvortrag, sondern eine von Dr. Michael Koch (Geschäftsführer und stellv. wissenschaftlicher Leiter des IÖB) moderierte Diskussionsrunde. „Ökonomie spielt auch im Sport zunehmend eine Rolle – gerade wenn man sich Schlagworte wie Kommerzialisierung anschaut.“ betonte er in seinen Einführungsworten. Finanzen im Sport werden immer wichtiger, da waren sich auch die Diskutanten mit Klaus Filbry (Vorsitzender der Geschäftsführung SV Werder Bremen), Andreas Lampe (Co-Handball-Bundesligatrainer VfL Oldenburg), Hauke Richters (Leiter der NWZ-Sportredaktion) und Hermann Schüller (geschäftsführender Gesellschafter der EWE Baskets) einig. Kommerzialisierung sei jedoch nicht per se negativ zu bewerten, so Hauke Richters. Zwar bergen Sponsoren und hohe Geldsummen ihre Risiken, solange die Kommerzialisierung jedoch transparent sei, habe er damit kein Problem.

Überrascht waren die Zuschauer von den vorgetragenen Zahlen dennoch. So ordnet Klaus Filbry Werder Bremen mit einem Umsatz von über 150 Millionen Euro und einem Gewinn von drei bis fünf Millionen Euro als ein klassisches mittelständisches Unternehmen ein. Zahlen von denen der Basketball, insbesondere der VfL Oldenburg weit entfernt liegen. Anders als die Profi-Fußballspieler, gehen die Profi-Handballerinnen des VfLs alle einem regulären Job oder einem Studium nach, erklärte Andreas Lampe. Deutlich wurde außerdem die besondere Stellung des Fußballs in Deutschland. Ein Wettbewerb, der auch im Kampf um Sponsoren deutlich wird. Hauke Richters erwähnt, dass Sportarten wie Basketball oder Handball es nur in Regionen schafften, wo kein Profifußball vor Ort ist.

Vergleichbare Entwicklungen gibt es in den Sportarten dennoch einige. So werden vor allem gesellschaftliche und soziale Werte hoch eingeschätzt. Hier leistet der Sport einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung und legt besonderen Wert auf die Förderung junger Menschen. Auch die regionale Verbundenheit führt die Vereine der Diskutanten zusammen. Oldenburg ist eine „Sportstadt“, die mit ihren Profimannschaften nicht nur Menschen aus der Umgebung – und darüber hinaus – anspricht und zusammenbringt, sondern mit ihren verschiedenen Kinder- und Jugendabteilungen gerade der jüngeren Bevölkerung tolle Möglichkeiten bietet.

Einen sportlichen Abschluss fand die Veranstaltung mit den Ergebnissen der Losung für die Champions League. Anschließend diskutierten die Gäste und Diskutanten bei Bratwurst und Bier noch lange im Garten des IÖB über dieses spannende Thema.

Das Video zur Veranstaltung finden Sie hier.

v. l.: Prof. Dr. Dirk Loerwald (IÖB), Jacqueline Kleemann (wigy e. V.), Hauke Richters (NWZ), Hermann Schüller (EWE Baskets), Klaus Filbry (SV Werder Bremen), Andreas Lampe (VFL Oldenburg), Dr. Michael Koch (IÖB)

Foto: Markus Hibbeler